Spielbericht "Holding Action" Flandern 1691 n.Chr.

Spielbericht "Holding Action", Flandern 1691

Da ein Treffen mit mehreren Spielern wegen der Corona-Pandemie nicht möglich ist, und um mal wieder meine Figurensammlung aus dem pfälzischen Erbfolgekrieg / Neunjährigen Krieg zu bewegen, habe ich folgendes Solo-Wargame gemacht:

Irgendwo in Flandern rückt die siegreiche französische Armee einer kaiserlichen Armee /  Teilen der Reichsarmee (Franken und Sachsen) nach. Die Kaiserlichen haben eine Teilarmee zurückgelassen, die die vorrückenden Franzosen so lange wie möglich unter möglichst geringen Verlusten verzögern soll.

Regelwerk: Field of Glory Renaissance, Figurengröße: 15mm.

Das Szenario ist aus dem Klassiker "Programmed Wargames Scenarios" von Charles Grant.

Diese generischen Szenarien sind besonders für den Solo-Wargamer geeignet, da sie für beide Seiten die Truppenaufstellung vorgeben, das Schlachtfeld zufällig ausgewürfel wird und eine oder sogar beide Seiten programmiert sind. Ich habe mit beiden Seiten programmiert gespielt. Dazu habe ich vor dem Spiel einige Würfe gemacht, welche folgendes ergaben:

Die Franzosen haben es eilig und stoßen mit maximaler Geschwindigkeit nach, ohne auf ein ordentliches Deployment zu warten. Es gibt jeweils zwei Flankenregimenter und eine Vorhut, die der Hauptmacht etwa eine halbe Stunde voraus ist.

Für die Reichsarmee / Kaiserlichen wurde festgelegt, was noch akzeptable Verluste sind und wie sie sich aufstellen. Das ergab eine Verteidigung in einer soliden Linie, mit nur einem Kavallerieregiment in Reserve. In das zentrale Dorf mussten zwei Einheiten gequetscht werden.

Spielbeginn. Von links kommt die Vorhut der Franzosen: oben und unten ein Flankenregiment, auf der Straße mittlere Reiterei und weitere Infanterie. Rechts stehen die Kaiserlichen vor und auf den Hügeln.

Nachdem die Vorhut vorgerückt ist, erscheint eine halbe Stunde später der französische Haupttrupp. Die Artillerie bewegt sich aufgeprotzt auf der Straße.

Die Kanonen der Reichsarmee auf dem westlichen Hügel eröffnen das Feuer.

Links ist die franz. Vorhut bereits im Feuergefecht.

Die kais. Artillerie schießt über die Köpfe der Infanterie auf die Franzosen.

Die Garde Francaise und Royal Dragoons kommen mit klingendem Spiel auf das Feld.

Im konzentrierten Beschuss bricht bereits das linke Regiment der Franzosen.

Die Franzosen entfalten sich, überall kommt es zum Schusswechsel.

Die franz. Kavallerie wagt einen Angriff hügelaufwärts, verliert aber Moralstufen und Männer und muss wieder vom Hügel runter (wie gesagt, sie wollen keine Zeit verlieren und lassen sich dadurch auch zu waghalsigen Attacken hinreißen). Inf. Regiment Lannoy ist zur Unterstützung angekommen.

Regt. Piemont (rechts) treibt mit dem Bajonett die Kroaten vom Dorfrand zurück.

Rgt. Auvergne geht links vor.

Die Franzosen bringen zwei Batterien an der Straße in Stellung und können so den Gegner konzentriert beschießen. Rgt. La Reine marschiert dahinter auf den Feind zu und auch im Hintergrund nähern sich die Dragoner des Sonnenkönigs den kaiserlichen Linien.

Mit einem beeindruckendem Bajonettangriff hat das frz. Regiment Piemont (links) die kaiserliche Linieninfanterie (rechts) im Dorf geschlagen und in die Flucht getrieben. Nur die nervigen Kroaten plänkeln noch auf den Straßen umher (Mitte).

Die Kürassier-Reserve der Kaiserlichen mit ihrem C-in-C muss tatenlos zusehen, wie das Dorf erobert wird. Sie bleiben in Position um einen französischen Druchbruch abzufangen.

Die französischen Kanonen und Dragoner dezimieren die Verteidiger.

Rechts: auf dem westlichen Hügel kommt es zum verbissenen Nahkampf, in dessen Verlauf sogar ein französischer General fällt. Aber trotzdem werden letztendlich die Kaiserlichen besiegt und überrannt.

Links: Die französischen Garden versagen fürchterlich in einer Attacke auf kaiserliche Linieninfanterie zwischen Hügel und Dorf. Die Garde Francaise tritt unrühmlich die Flucht an. Die Kaiserlichen setzen euphorisch nach und prallen auf Regiment La Reine.

Vor dem östlichen Hügel sind nun beide Seiten geschwächt und in Unordnung. Es hängt in der Schwebe, wer zuerst nachgibt.

Rgt. Piemont setzt sich im Dorf fest.

Die entscheidende Phase nach ca. 5 Stunden Szenariozeit: die Kaiserlichen sind links und rechts schwer unter Druck und haben das zentrale Dorf verloren.

Die kais. Verluste mehren sich stetig. Es wird der allgemeine Befehl zum Rückzug gegeben. Die Artillerie wird aufgespannt und beginnt den Abmarsch. Rechts fliehen zwei gebrochene Linienregimenter den Berghang hoch.

Die Franzosen (rechts) sind durchgebrochen !

Die kais. Kürassiere drehen sich noch den Angreifern zu, schauen dann aber auch bald, dass sie wegkommen.

Zum Schluss verlassen die letzten Kroaten plänkelnd das Dorf.

Ergebnis:

Die Kaiserlichen haben die Franzosen gute 6 Stunden lang aufgehalten, aber ihre "akzeptablen Verluste" weit überschritten. Sie verloren 4 Regimenter und 2 Fahnen, während die Franzosen nur 2 Einheiten einbüsten. Somit endet das Gefecht mit einem zeitraubenden aber deutlichen französischen Sieg.